
Die dunkle Seite des Internets: Einige Google-Mitarbeiter werden Tag für Tag, Stunde für Stunde, ja Minute für Minute damit konfrontiert. Sie arbeiten als menschliche Schmutzfilter. Werden vom führenden Internet-Konzern dafür bezahlt, die Google-Produkte «sauber» zu halten. Dabei blicken die Zensoren in menschliche Abgründe, sie haben es mit Pädophilen, Leichenschändern und anderen Psychopathen zu tun. Aber auch Enthauptungen durch Al-Kaida-Terroristen sowie Selbstverstümmelungen und Folter gehören zum Alltag.
Es sei schlicht unvorstellbar, was die Leute ins Web hochladen. Dies sagt ein Mann, der es wissen muss. Der ehemalige Google-Mitarbeiter hat sich gegenüber dem US-Blog BuzzFeed geöffnet. Er habe ein Jahr seines Lebens mit den schlimmsten überhaupt vorstellbaren Bildern und Videos verbracht.
Der junge Mann, der anonym bleiben will, kam aus Zufall zu Google. Ein Job-Vermittler habe ihn angerufen und ihm die Stelle angeboten. Am Telefon habe man ihn vorgewarnt, dass er mit «heiklen Inhalten» werde umgehen müssen. Er sei allerdings nicht auf den Gedanken gekommen, dass er die Arbeit ohne technischen oder emotionalen Support erledigen müsse.
Der frischgebackene Hochschul-Absolvent nahm den Temporärjob an. Natürlich habe er sich gefreut, für das einflussreiche amerikanische Technologie-Unternehmen zu arbeiten. Und er ging davon aus, dass es schon noch klappen würde mit einer Festanstellung …
Wie sich herausstellte, war dies nicht der Fall. Nach neun nervenaufreibenden Monaten sei ihm mitgeteilt worden, dass er nicht weiterbeschäftigt werde. Laut US-Medienberichten ist das gängige Praxis beim Internet-Konzern: Nach 12 Monaten ist definitiv entschieden, ob man regulärer Angestellter wird oder das Unternehmen verlassen muss.
Der schockierendste Teil seines Jobs sei das Bearbeiten von pornographischem Material gewesen. «Kinderpornografie ist das grösste Problem für Internet-Unternehmen. Bei Google wollte das niemand tun.»
lle grossen Internet-Unternehmen haben mit den kranken menschlichen Auswüchsen zu kämpfen. Im vergangenen Jahr gelangten Informationen über die von Facebook bezahlten «Wächter»an die Öffentlichkeit. Auch sie befassen sich rund um die Uhr mit den problematischen Inhalten, die ins weltgrösste soziale Netzwerk hochgeladen werden.
Der befragte Zensor gibt an, viele Ex-Google-Mitarbeiter zu kennen, die dasselbe erlebt haben. «Drei Leute arbeiteten nachts für YouTube. Sie mussten dasitzen und alles anschauen – von 10 Uhr abends bis 8 Uhr morgens, ein Jahr lang. Einer meiner besten Freunde verlor sein Leben, weil er das tat.»
Er habe sich mit allen Google-Produkten befasst, sagt der ehemalige Mitarbeiter weiter. Von der Suchmaschine, über den Bilderdienst Picasa und YouTube bis zum sozialen Netzwerk Google+. Wenn kinderpornografisches Material veröffentlicht wurde, sei er damit konfrontiert worden. Das seien bis zu15 000Bilder pro Tag gewesen. Damit nicht genug – er habe auch mit niemandem über seine Arbeit sprechen können. Seine Freundin wollte er nicht mit dem «Dreck» belasten. Und er habe lange Zeit angenommen, dass es ihm gut gehe und nichts hängen bleibe.
Doch irgendwann landete er selber beim Psychiater. Google habe eine Sitzung bei einem Therapeuten übernommen und ihn ermuntert, nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit einer Therapie auf eigene Kosten fortzufahren.
Quelle: 20min.ch